Wer heute eine Website braucht, steht sehr schnell vor drei Angeboten, die kaum vergleichbar sind. Das eine kostet ein paar Euro im Monat und ist angeblich in einer Stunde fertig. Das zweite kommt von einer Agentur, die „mit WordPress arbeitet". Das dritte nennt sich individuell entwickelt und hat als einzige Preisangabe den Satz „kommt darauf an". Die Frage kommt bei fast jedem Erstgespräch, das ich in Graz und der Steiermark führe, in den ersten zehn Minuten. Vorweg, damit Sie das Folgende einordnen können: Ich arbeite mit Contao und bin Contao-Partner. WordPress ist deutlich verbreiteter als Contao — das ist keine Meinung, sondern der Markt. Ich habe mich trotzdem bewusst anders entschieden, und in diesem Beitrag steht auch, warum. Wo ein Baukasten oder WordPress der bessere Weg ist, sage ich es genauso. Alle Wege sind für irgendjemanden richtig. Nur eben nicht für denselben Betrieb.
Zwei Fragen, die ständig verwechselt werden
Die meisten Gespräche drehen sich um den falschen Punkt. Es sind nämlich zwei Entscheidungen, und sie haben wenig miteinander zu tun: Womit wird gebaut? Ein gemieteter Baukasten oder ein Redaktionssystem auf Ihrem eigenen Hosting. Und: Wie individuell wird gebaut? Fertige Vorlage, angepasste Vorlage oder eigenes Design. Wer nur über die erste Frage redet, vergleicht Angebote, die sich in Wahrheit bei der zweiten unterscheiden.
Der Baukasten, oft auch Homepage-Baukasten genannt. Sie mieten ein fertiges System und erstellen Ihre Website selbst im Browser — Vorlage wählen, Texte eintippen, Bilder hochladen. Hosting, Updates und Technik sind im Monatsbeitrag enthalten. Anbieter, die sich selbst so beschreiben, sind etwa Wix, Squarespace, Jimdo, IONOS oder der HEROLD Website Builder.
Das Redaktionssystem. Eine Software, die Ihre Inhalte verwaltet und die Seite daraus zusammensetzt — WordPress, Contao, TYPO3 und andere. Sie läuft auf Ihrem eigenen Hosting, und Sie entscheiden, wer sie betreut.
Ob dabei eine fertige Vorlage oder ein eigenes Design zum Einsatz kommt, ist eine davon unabhängige Entscheidung. Für WordPress gibt es beides: tausende Kaufvorlagen und ebenso die Möglichkeit, ein Design von Grund auf zu entwickeln — das ist Standardarbeit, keine Ausnahme. Für Contao gilt dasselbe, der Markt an fertigen Vorlagen ist nur deutlich kleiner. In der Praxis wird Contao deshalb häufiger individuell aufgebaut und WordPress häufiger auf einer Vorlage — aber das ist eine Häufigkeit, keine Eigenschaft des Systems.
Deshalb ist „WordPress oder Contao" die falsche erste Frage. Zwei WordPress-Seiten können weiter auseinanderliegen als eine WordPress- und eine Contao-Seite: Die eine ist eine gekaufte Vorlage mit ausgetauschten Bildern, die andere eine Eigenentwicklung. Fragen Sie zuerst nach der Vorlage, dann nach dem System.
Wofür ein Baukasten wirklich reicht
Das sage ich ohne Zähneknirschen: Für manche Betriebe ist ein Homepage-Baukasten die richtige Wahl, und eine individuell gebaute Website wäre hinausgeworfenes Geld.
Er reicht, wenn Ihre Website im Kern eine digitale Visitenkarte ist — wer Sie sind, was Sie machen, wie man Sie erreicht. Wenn Sie ein Einzelunternehmen sind und die Seite selbst pflegen wollen. Wenn es keine Verbindung zu anderen Programmen braucht. Und wenn Sie mit dem Aussehen leben können, das die Vorlage vorgibt.
Der Punkt, an dem es kippt, kommt meistens später und fast immer gleich: Sie wollen etwas, das die Vorlage nicht vorsieht. Dann gibt es keinen Weg daran vorbei — nur einen Umzug.
Wo WordPress stark ist, und wo es anstrengend wird
WordPress ist das mit Abstand verbreitetste Redaktionssystem. Es gibt Erweiterungen für fast alles, unzählige Vorlagen, und man findet leicht jemanden, der damit arbeitet. Das sind echte Vorteile, besonders wenn Sie Ihre Agentur einmal wechseln wollen.
Der Preis dafür steht selten im Angebot: Eine gewachsene WordPress-Seite besteht oft aus einer Vorlage und einer Handvoll Erweiterungen, die von unterschiedlichen Anbietern stammen und unabhängig voneinander aktualisiert werden. Je mehr Teile von verschiedenen Quellen zusammenwirken, desto mehr kann bei einem Update brechen. Das gilt für jedes System — bei WordPress trifft es wegen der Größe des Ökosystems nur häufiger zu. Bleiben die Updates ganz aus, wird die Seite zum Sicherheitsrisiko, weil automatisierte Angriffe gerade das Verbreitetste absuchen.
Das ist kein Argument gegen WordPress. Es ist ein Argument dafür, die laufende Betreuung als festen Posten einzuplanen statt als Überraschung. Eine sauber gebaute WordPress-Seite mit eigenem Design und wenigen, gepflegten Erweiterungen ist eine sehr gute Website.
Warum ich mit Contao arbeite — und wann das kein Argument ist
Wer nach einer Alternative zu WordPress sucht, landet im deutschsprachigen Raum meist bei Contao oder TYPO3. Fangen wir trotzdem mit den Nachteilen an.
Contao ist klein: Es gibt weniger Agenturen, weniger fertige Erweiterungen und weniger fertige Vorlagen als bei WordPress. Wenn Sie in fünf Jahren einen neuen Dienstleister suchen, finden Sie für WordPress mehr Auswahl. Das ist ein reales Argument, und wer es wegdiskutiert, verkauft Ihnen etwas.
Der Grund, warum ich es trotzdem einsetze, ist der Umgang mit Redakteuren. In Contao lässt sich festlegen, wer welches Feld überhaupt zu sehen bekommt. Ihre Bürokraft öffnet eine Seite und findet dort Titel, Text und ein Bildfeld — nicht dreißig Einstellungen, von denen achtundzwanzig gefährlich sind. Sie kann das Layout nicht zerschießen, weil sie gar nicht an das Layout herankommt.
Das klingt nach einer Kleinigkeit. In der Praxis entscheidet es darüber, ob eine Website nach einem Jahr noch gepflegt wird — oder ob jede Änderung wieder bei der Agentur landet, Geld kostet und deshalb unterbleibt.
Der zweite Punkt: Fertige Vorlagen gibt es auch für Contao, nur weniger. In der Praxis wird deshalb häufiger von Grund auf gebaut, und dann steckt in der Seite genau das, was gebraucht wird — und sonst nichts. Weniger Teile heißt weniger, das brechen kann.
Der dritte: Barrierefreiheit ist in Contao von Haus aus ein Thema und nicht etwas, das man einer fremden Vorlage nachträglich abringen muss. Wie weit das trägt, sehen Sie an dieser Website hier — die Barrierefreiheitserklärung nennt auch die Stellen, an denen wir bewusst eine Ausnahme machen.
Wann Contao das falsche Werkzeug ist: Wenn Sie eine sehr einfache Seite brauchen und selbst pflegen wollen — dann reicht ein Baukasten. Und wenn Sie eine Erweiterung brauchen, die es für WordPress fertig gibt und für Contao nachgebaut werden müsste, kann WordPress der wirtschaftlichere Weg sein. Das ist eine Rechnung, keine Glaubensfrage. Wie die Betreuung dann aussieht, steht auf der Seite Contao-Agentur in Österreich.
Wann sich eine individuell gebaute Seite rechnet
Nicht wegen des Aussehens. Ein guter Gestalter bekommt auch aus einer Vorlage etwas Ansehnliches heraus.
Es rechnet sich, wenn Ihre Website etwas tun soll: Daten aus Ihrer Warenwirtschaft ziehen, Termine mit Ihrem Kalender abgleichen, Anfragen automatisch weiterreichen, mehrsprachig oder mit mehreren Standorten arbeiten. Und es rechnet sich, wenn die Seite über Jahre wachsen soll, ohne dass jede Erweiterung ein Notbehelf wird.
Der zweite Grund wird unterschätzt: Pflegbarkeit. Ein individuell eingerichtetes Redaktionssystem gibt Ihren Mitarbeitern genau die Felder, die sie brauchen. Das ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, dass Inhalte tatsächlich aktuell bleiben.
Was Ihnen später weh tut
Am Anfang vergleicht man Angebote. Weh tut später fast immer etwas anderes:
- Die laufenden Kosten summieren sich anders, als sie aussehen. Ein Monatsbeitrag wirkt klein. Über die übliche Lebensdauer einer Website gerechnet, ist er es nicht mehr unbedingt. Rechnen Sie beide Wege über fünf bis acht Jahre, nicht über das erste.
- Erweiterungen kosten extra. Formulare, Mehrsprachigkeit, Terminbuchung, ein Shop — bei Baukästen fast immer ein höheres Paket, bei Redaktionssystemen oft eine kostenpflichtige Erweiterung mit eigener Jahresgebühr.
- Ihre Daten liegen möglicherweise woanders. Wem gehört die Domain? Wo liegen die Inhalte, und kommen Sie an sie heran? Bei manchen Anbietern ist ein Export mühsam oder unvollständig. Klären Sie das vor dem Vertrag, nicht beim Ausstieg.
- Wer ist im Ernstfall erreichbar? Nicht ein Formular. Ein Mensch.
Die Frage, die selten im Angebot steht
Bei manchen Komplettangeboten steht nirgends, worauf die Website eigentlich läuft — kein Systemname, keine Angabe, ob eine Vorlage verwendet wird. Das muss nichts Schlechtes heißen. Es heißt nur, dass Sie es erfragen müssen, bevor Sie unterschreiben:
- Auf welchem System läuft die Seite?
- Wird eine Vorlage verwendet, und wenn ja, welche?
- Gehört mir die Website nach Vertragsende — und kann ich sie mitnehmen?
- Wem gehört die Domain?
- Was kostet die Betreuung, und was ist darin enthalten?
- Wer aktualisiert das System, und wie oft?
Barrierefreiheit — der Punkt, den Vorlagen selten lösen
Barrierefrei heißt: Die Seite ist auch mit Tastatur, Vorlesesoftware oder bei schlechtem Sehvermögen benutzbar. Das ist kein Nischenthema mehr, sondern für einen wachsenden Teil der Betriebe eine rechtliche Anforderung — seit 2025 gilt in Österreich das Barrierefreiheitsgesetz, mit Ausnahmen je nach Größe und Art des Angebots. Ob es Sie trifft, ist eine Frage an Ihren Rechtsberater, nicht an Ihren Webdesigner.
Technisch ist der Befund eindeutiger: Barrierefreiheit lässt sich nicht nachträglich aufkleben. Sie steckt in Überschriftenstruktur, Kontrasten, Bedienbarkeit ohne Maus und beschreibenden Texten zu Bildern — also im Aufbau. Fertige Vorlagen liefern das in sehr unterschiedlicher Qualität, und was die Vorlage falsch macht, können Sie meist nicht korrigieren, ohne sie aufzubrechen.
Wenn Sie wissen wollen, wie ernst jemand dieses Thema nimmt, schauen Sie auf seine eigene Website.
Die Frage, die alles entscheidet
Wenn Sie nur eine Frage stellen wollen, dann diese: Wer pflegt diese Website in zwei Jahren — und mit welchem Werkzeug?
Lautet die Antwort „ich selbst, nebenbei" und die Seite bleibt einfach: Baukasten. Lautet sie „unsere Bürokraft, regelmäßig": Es muss ein System sein, das man in zwanzig Minuten erklären kann — aufgeräumt eingerichtet, egal welches. Lautet sie „unsere Agentur, jedes Mal wenn etwas ist": Dann bezahlen Sie jede Änderung einzeln, und die Seite wird nicht gepflegt werden. Das ist die teuerste Variante, egal was am Anfang im Angebot stand.
Drei Fälle aus der Praxis
Die Fotografin, Einzelunternehmen. Eine Startseite, Arbeitsproben, Kontakt. Sie pflegt selbst, Bilder wechseln regelmäßig, sonst ändert sich wenig. Baukasten — und jeder Euro für mehr wäre schlecht angelegt.
Der Handwerksbetrieb mit acht Leuten. Leistungen, Referenzen, offene Stellen, regelmäßig ein Beitrag. Zwei Personen im Büro sollen Inhalte ändern können, ohne etwas kaputtzumachen. Hier entscheidet nicht der Systemname, sondern wie sauber eingerichtet wurde. Genau hier spielt ein System seine Stärke aus, in dem sich Eingabefelder einschränken lassen.
Der Betrieb mit einer Schnittstelle. Produkte aus der Warenwirtschaft, Verfügbarkeiten aus einem anderen Programm, Anfragen automatisch ins System. Ab hier ist individuelle Entwicklung kein Luxus, sondern der einzige Weg, der nicht in einer Kette von Notlösungen endet.
Kurze Checkliste
Sechs Fragen, die Sie sich vor dem ersten Angebot selbst beantworten sollten:
- Ändert sich Inhalt öfter als einmal im Quartal? Dann geht Pflegbarkeit vor Aussehen.
- Muss die Website mit einem anderen Programm sprechen? Dann individuell gebaut.
- Soll jemand ohne IT-Kenntnisse pflegen? Dann aufgeräumte Eingabemasken einfordern, egal welches System.
- Vorlage oder Eigendesign? Zuerst diese Frage klären, dann die Systemfrage.
- Kommen Sie jederzeit an Domain und Inhalte? Schriftlich klären.
- Ist Barrierefreiheit für Sie Pflicht? Rechtlich prüfen lassen, dann in den Aufbau einplanen.
- Wer ruft zurück, wenn die Seite steht? Ein Name, kein Formular.
Wenn Sie so weit sind
Wenn Sie unsicher sind, wo Ihr Betrieb steht: Das lässt sich in einem Gespräch klären, und zwar schneller als über Angebotsvergleiche — telefonisch, in Graz auch gern persönlich. Ich sage Ihnen auch, wenn ein Baukasten für Sie reicht. Dann brauchen Sie mich nämlich nicht.
Schreiben Sie mir über das Kontaktformular, oder sehen Sie sich vorher an, wie ich arbeite: Webdesign & Entwicklung aus Graz.